Alptraum

Die sowieso schon dünne Besiedlung, gekoppelt mit in vielen Gemeinden abnehmenden Einwohnerzahlen bzw. einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung stellt weite Teile des Bündner Berggebiets vor grosse Herausforderungen.

Der Tourismus wird in Zukunft allenfalls nicht mehr flächendeckend als wirtschaftliches Rückgrat des Berggebiets wirken. Die langen Arbeitswege zu alternativen Arbeitsplatzzentren erschweren es, junge, gut qualifizierte Paare dafür zu begeistern, ihren Lebensmittelpunkt nach der Ausbildung (zurück) in den Alpenraum zu verlegen. Ohne grundlegende Veränderungen könnte dem Bündner Berggebiet ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Albtraum drohen.

Das Wirtschaftsforum Graubünden möchte mit der Initiative unter dem bewusst doppeldeutig gewählten Begriff „ALPTRAUM“ Zukunftsvisionen für Graubünden als Teil des Schweizer Berggebiets mit seinen typischen Eigenheiten und daraus  resultierenden, Vor- und Nachteilen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zur Diskussion stellen.

Sollen die Berggebietsregionen eine Zukunft haben, auch wenn der klassische Tourismus an Bedeutung verliert, so müssen zuerst die Voraussetzungen geschaffen werden, damit das Wohnen in diesen Räumen attraktiver wird. Hierfür braucht es unter anderem radikale Massnahmen wie beispielsweise einen Quantensprung im Bündner Verkehr, ein neues Verständnis von Bevölkerung im Zusammenhang mit den Zweitwohnern, ein Umbau des Steuersystems oder die Fokussierung des Service Public in dezentralen Zentren.

Nebst einigen wenigen radikalen Ideen thematisiert und beurteilt der Bericht auch die heutigen Strategien der Standortentwicklung und ergänzt diese mit weiteren Ansatzpunkten.

Das Wirtschaftsforum Graubünden nimmt nicht für sich in Anspruch, neue bahnbrechende Ideen zu formulieren oder Lösungen auf alle Herausforderungen zu finden. Das Ziel ist es vielmehr, die Fülle der bestehenden Ideen und Lösungswege zu prüfen, in den Kernbereichen die zentralen Wirkungszusammenhänge und Abhängigkeiten aufzuzeigen sowie Klarheit über mögliche standortpolitische Handlungsoptionen bzw. die Folgen des Unterlassens gewisser Massnahmen zu schaffen.