Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Graubündens

Die Frage, wer im politischen System wen subventioniert, wird künftig wahrscheinlich an Bedeutung gewinnen. Das Wirtschaftsforum Graubünden wollte es genau wissen. Wer zahlt wem wie viel? Die in einem noch nie dagewesenen Detaillierungsgrad durchgeführte Analyse des Wirtschaftsforums Graubünden hat einige unerwartete Erkenntnisse zutage gefördert.

Der Kanton Graubünden ist gegenüber dem Bund (bzw. den anderen Kantonen) gemäss den Angaben in der Staatsbuchhaltung unter dem Strich ein Nettobezüger öffentlicher Mittel in der Höhe von rund CHF 520 Mio. bzw. 4.6% des kantonalen BIP. Weil Graubünden jedoch Strom aus Wasserkraft zu Gestehungskosten statt Marktpreisen an die Konsumenten im Mittelland liefert, bestanden bei der Marktsituation von 2010 geldwerte Leistungen von rund CHF 180 Mio., die nicht abgedeckt waren. Weiter schätzt das Wirtschaftsforum Graubünden, dass die Zweitwohnungen für Kanton und Gemeinden ungedeckte Kosten im Umfang von rund CHF 150 Mio. verursachen. Rechnen wir diese beiden nicht erfassten geldwerten Leistungen auf, so ist der Kanton Graubünden ein Nettobezüger von öffentlichen Mitteln im Rahmen von „nur“ CHF 190 Mio. bzw. 1.7% des BIP. Dieser Wert hängt jedoch in hohem Masse von den Strompreisen ab. Zumindest für die nahe Zukunft ist dabei von geringeren Strompreisen als im Jahr 2010 auszugehen.

 

 

Die Mehrheit der Gebiete Graubündens bezieht mehr öffentliche Mittel, als aus diesen Gebieten an Bund und Kanton zurückfliessen. Bedeutender Nettozahler ist lediglich das Oberengadin, insbesondere gegenüber dem Bund. Dabei trägt alleine die Gemeinde St. Moritz rund zwei Drittel an die hohen Nettozahlungen des Gebiets bei. Einige weitere Tourismusregionen generieren ebenfalls mehr öffentliche Mittel für Bund und Kanton, als sie von diesen beziehen (z.B. Flims-Laax-Falera, Lenzerheide, Samnaun). Einen Spezialfall bildet das Bündner Rheintal: Infolge des hohen Anteils öffentlicher Dienstleistungen (v.a. allgemeine Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen) ist das Bündner Rheintal trotz zahlreicher wertschöpfungsintensiver Unternehmer Nettobezüger öffentlicher Mittel. Wenn der Nutzen dieser Institutionen über den ganzen Kanton verteilt wird, wird der Saldo der Transferzahlungen für das Bündner Rheintal ausgeglichen.

Neben weiteren Ergebnisse der Analyse (z.B. Betrachtungen ohne die Bundestransfers, Entwicklung der Transfers über die Zeit) präsentiert der Bericht schliesslich auch Handlungsansätze zur Reduktion der finanziellen Abhängigkeit Graubündens vom Bund.

Zum Quiz